Die ‚tiefe Wurzel‘ des Anthropozäns

Einfluss landwirtschaftlicher Aktivitäten auf Bodenerosion früher als gedacht

14.08.2025
Dr. Yanming Ruan legt Probenfläschchen auf den Autosampler. Foto: MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen; V. Diekamp
Dr. Yanming Ruan legt Probenfläschchen auf den Autosampler. Foto: MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen; V. Diekamp

Jeder Mensch hinterlässt Spuren, und das bereits seit tausenden von Jahren. In einer neuen Studie zeigt ein Team um Erstautor Dr. Yanming Ruan vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen, dass der menschliche Einfluss auf Bodenerosion viel weiter zurückreicht als bisher gedacht. Ihre Ergebnisse wurden jetzt in Geophysical Research Letters veröffentlicht.

 

Die Basis für die Erkenntnisse des internationalen Teams, an dem Forschende aus Deutschland, den Niederlanden und China beteiligt sind, ist ein Sedimentkern, der 2005 bei einer Expedition mit dem Forschungsschiff SONNE im indischen Ozean vor der Küste Ost-Javas (Indonesien) gewonnen wurde. Am Ozeanboden sammeln sich Partikel, die etwa durch Regen in Flüsse und dann ins Meer transportiert werden. Diese Proben enthalten oft einzigartige Informationen über die Vergangenheit, welche in den Sedimenten über Jahrtausende erhalten bleiben.

So konnten die Forschenden nachweisen, wie sich die Bodenerosion verändert hat und was Gründe dafür sein könnten. Dazu haben sie Sedimente analysiert, die etwa 5.000 Jahre zurückreichen. Für die Studie hat das Team molekulare Marker für Bodenerosion und Feuerereignisse analysiert und mit Rekonstruktionen von Vegetation und Hydroklima, also der Feuchtigkeit, in dieser Region verglichen. Die vergangenen 5.000 Jahre haben sie in Abschnitte unterteilt, in denen sich die Bodenerosion änderte, und mit den anderen Parametern verglichen um herauszufinden, was die jeweiligen Antriebsfaktoren waren. Es zeigte sich, dass die Menschen in dieser Region bereits vor etwa 3.500 Jahren damit begonnen haben, das Land zu bewirtschaften. Ohne Hinweise auf sich ändernde Vegetation oder Hydroklima nahmen die Feuermarker zu, was auf Brandrodung hindeutet, mit der die Landschaft urbar gemacht wird. „Solche frühen Anbaumethoden haben wahrscheinlich dazu geführt, dass die Böden anfälliger für Erosion wurden“, erklärt Erstautor Yanming Ruan. Das sei ein klares Signal für den menschlichen Einfluss auf die Natur – viel eher, als Forschende bislang gedacht haben.

Dr. Enno Schefuß vom MARUM ergänzt: „Um den Einfluss des Menschen auf Klima und Umwelt beurteilen zu können, muss man die heutige Situation mit einer unbeeinflussten Periode vergleichen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir deutlich weiter zurückschauen müssen. Wir sprechen in diesem Fall von der ‚tiefen Wurzel des Anthropozäns‘, also der Zeit, in der der Mensch die natürliche Umwelt und Klima überprägt.“

Die Daten zeigen laut Ruan außerdem, dass die permanente, intensivere Landwirtschaft seit etwa 500 Jahren zu der stärksten Bodenerosion geführt hat. Verstärkt wurde sie durch intensive Monsunregenfälle. Künftig könnte die fortschreitende Erderwärmung dazu führen, dass mit mehr und heftigerem Niederschlag in Indonesien zu rechnen ist. Dies könnte, so lautet das Fazit der Studie, die Erosionsraten künftig weiter beschleunigen, was Risiken für die natürlichen Ressourcen mit sich bringt.

Kontakt:

Dr. Yanming Ruan
Organische Geochemie
E-Mail: [Bitte aktivieren Sie Javascript]

Dr. Enno Schefuß
Molekulare Paläoklimatologie
E-Mail: [Bitte aktivieren Sie Javascript]

Abbildung zeigt Gesteinsmaterial und Schwebstoffe werden in der Regel in Flüsse und dann ins Meer transportiert. Als Folge entsteht eine Sedimentfahne wie beim Rusizi-Fluss, der in den Tanganjikasee in Burundi mündet. Im Ozean lagern sich die Sedimente Schicht für Schicht ab. Foto: Johanna Ciella, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Gesteinsmaterial und Schwebstoffe werden in der Regel in Flüsse und dann ins Meer transportiert. Als Folge entsteht eine Sedimentfahne wie beim Rusizi-Fluss, der in den Tanganjikasee in Burundi mündet. Im Ozean lagern sich die Sedimente Schicht für Schicht ab. Foto: Johanna Ciella, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Originalpublikation:

Yanming Ruan, Mahyar Mohtadi, Lydie M. Dupont, Dierk Hebbeln, Sander van der Kaars, Wenwen Chen, Ellen C. Hopmans, Stefan Schouten, Matthias Prange, Jens Hefter, Gesine Mollenhauer, Enno Schefuß: Late Holocene human impact on tropical soil erosion in the Maritime Continent. Geophysical Research Letters 2025. DOI: 10.1029/2025GL114695

Beteiligte Institute:
  • MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften und Fachbereich Geowissenschaften der Universität Bremen
  • NIOZ Royal Netherlands Institute for Sea Research, Department of Microbiology and Biogeochemistry, Texel (Niederlande)
  • State Key Laboratory of Marine Geology, Tongji University (China)
  • School of Earth, Atmosphere and Environment, Monash University (Australien)
  • Cluster Earth & Climate, Department of Earth Sciences, Faculty of Sciences, Vrije Universiteit Amsterdam (Niederlande)
  • Abteilung Palynologie und Klimadynamik, Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften, Universität Göttingen
  • Editorial Office of Journal of Ocean University of China (China)
  • Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Bremerhaven
  • Department of Earth Sciences, Utrecht University (Niederlande)

Das MARUM gewinnt grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse über die Rolle des Ozeans und des Meeresbodens im gesamten Erdsystem. Die Dynamik des Ozeans und des Meeresbodens prägen durch Wechselwirkungen von geologischen, physikalischen, biologischen und chemischen Prozessen maßgeblich das gesamte Erdsystem. Dadurch werden das Klima sowie der globale Kohlenstoffkreislauf beeinflusst und es entstehen einzigartige biologische Systeme. Das MARUM steht für grundlagenorientierte und ergebnisoffene Forschung in Verantwortung vor der Gesellschaft, zum Wohl der Meeresumwelt und im Sinne der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Es veröffentlicht seine qualitätsgeprüften, wissenschaftlichen Daten und macht diese frei zugänglich. Das MARUM informiert die Öffentlichkeit über neue Erkenntnisse zur Meeresumwelt, und stellt im Dialog mit der Gesellschaft Handlungswissen bereit. Kooperationen des MARUM mit Unternehmen und Industriepartnern erfolgen unter Wahrung seines Ziels zum Schutz der Meeresumwelt.