Seitenpfad:

Klimawandel schränkt Lebensraum von Mikroorganismen ein

27.01.2025
Planktische Foraminiferen sind winzige Meeresorganismen, die wichtig für das Meeresökosystem sind. Als Reaktion auf die zunehmende Erwärmung und Versauerung der Ozeane tauchen sie tiefer ins Meer ab, um ihre Populationen zu erhalten. Foto: Sonia Chaabane & Julien Sulpis
Planktische Foraminiferen sind winzige Meeresorganismen, die wichtig für das Meeresökosystem sind. Als Reaktion auf die zunehmende Erwärmung und Versauerung der Ozeane tauchen sie tiefer ins Meer ab, um ihre Populationen zu erhalten. Foto: Sonia Chaabane & Julien Sulpis

Verändert sich der Ozean durch den Klimawandel, müssen Arten darauf reagieren und ihren Lebensraum anpassen, meist wandern sie in kühlere Gewässer. Migration reicht aber nicht immer aus und bedroht Arten auf lange Sicht, zum Beispiel Mikroorganismen wie planktische Foraminiferen. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Team von Forschenden. Ihre Studie, an der auch Dr. Julie Meilland vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen beteiligt ist, ist im Fachjournal Nature erschienen.

 

Planktische Foraminiferen sind kleine Meeresorganismen, die in den obersten Wasserschichten aller Ozeane leben. Sterben sie, sinken ihre Kalkgehäuse auf den Ozeanboden und bleiben dort als Mikrofossilien erhalten. Während ihrer Lebenszeit speichern die Foraminiferen Umweltinformationen in ihren Kalkschalen, sie gelten daher auch als Klima-Indikatoren und Zeugen für die Artenvielfalt in der Vergangenheit.

Für die Studie in Nature haben die Forschenden aus Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Japan und Spanien knapp 200.000 Datensätze seit 1910 analysiert. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass viele Arten in kühlere Gewässer in Richtung der Pole wandern oder aber ihren Lebensraum innerhalb der Wassersäule anpassen, also zum Beispiel in kühlere Wassertiefen statt nahe der Meeresoberfläche. Schon jetzt, heißt es in der Studie, hat sich die Foraminiferen-Population in 80 Jahren um ein Viertel reduziert.

Sonia Chaabane, Hauptautorin der Studie und Forscherin am CEREGE und am Max-Planck-Institut für Chemie, betonte die Bedeutung der Ergebnisse: „Unsere Daten zeigen, dass planktische Foraminiferen, die eine entscheidende Rolle im Kohlenstoffkreislauf der Ozeane spielen, in einem sich schnell verändernden Klima Schwierigkeiten haben zu überleben. Diese Organismen warnen uns vor den drastischen Auswirkungen, die die Erwärmung und Versauerung der Ozeane auf marine Ökosysteme haben.“ Komplexe Wechselwirkungen zwischen Klima und Ökosystemen lassen sich in ihrer Gesamtheit durch Bioindikatoren wie Foraminiferen wahrscheinlich besser erfassen als durch einzelne Messwerte.

Originalpublikation:

Sonia Chaabane, Thibault de Garidel-Thoron, Julie Meilland, Olivier Sulpis, Thomas B. Chalk, Geert-Jan A. Brummer, P. Graham Mortyn, Xavier Giraud, Hélène Howa, Nicolas Casajus, Azumi Kuroyanagi, Gregory Beaugrand & Ralf Schiebel: Migrating is not enough for modern planktonic Foraminifera in a changing ocean. Nature 2024. DOI: https://doi.org/10.1038/s41586-024-08191-5

Links: