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Logbuch MSM 20/1
Samstag, 14 Januar 2012
Gruppenfoto der wissenschaftlichen Besatzung auf dem Arbeitsdeck des FS Maria S. Merian (Foto: M. Maggulli).
Nachdem wir inzwischen schon den letzten Tag unserer Reise erreicht haben, sind wir im Moment alle stark beschäftigt; sogar noch mehr als es der normale wissenschaftliche Alltag an Bord ist. Von den Daten muss verlässlich ein Backup gemacht werden, die Parasound Profile der letzten Nacht müssen prozessiert werden, die Multibeam Daten des neuen Gerätes müssen detailliert untersucht, evaluiert und verbessert werden, Beispiele und Screenshots von interessanten Strukturen des Ozeanbodens müssen in der Gruppe präsentiert werden und ein Fahrt Bericht muss natürlich geschrieben werden. So wie es im Moment aussieht, liegt eine Nacht voller Arbeit vor uns, bevor wir uns den Hafen von Walvis Bay erreichen.
Somit wollen wir uns jetzt von unseren Lesern verabschieden. Wir bedanken uns bei Kapitän Ralf Schmidt und der Besatzung von FS Maria S. Merian für die professionelle Unterstützung und für die sehr angenehmen Atmosphäre an Bord, die die “Floating University” zu einem vollen Erfolg werden lassen konnte.
Viele Grüße,
Eva, Milen and the team of the “Floating University”
Finale Karte (EM1002) der entdeckten Struktur.
Freitag, 13 Januar 2012
Um herauszufinden, ob diese Strukturen real sind oder ob es sich dabei um Artefakte handelt, wurde das Echolot EM1002 eingebaut und zur Kartierung des Meeresbodens genutzt. Anschließend gingen wir auf „Canyon Jagd“: das Schiff wurde mehrmals über den Bereich der vermuteten Canyon-Struktur gesteuert, um herauszufinden ob diese mit dem Multibeam Echolot und Parasound System verfolgt werden kann.
Um die Multibeam Daten korrigieren zu können, wurde ein weiteres Schallgeschwindigkeitsprofil erzeugt. Zum ersten Mal war jetzt einer der Studenten für die Durchführung verantwortlich. Es gab zum Glück keine Probleme und wir lernten wie wir mit der Mannschaft während der Stationsarbeit kommunizieren sollen.
Karte des Untersuchungsgebietes für die letzten Tage. Es werden zwei interessante Strukturen am Meeresboden untersucht. Bei einer der Strukturen könnte es sich um einen Canyon handeln, die andere ähnelt einem riesigen Fußabdruck.
Das beobachtete Feature sieht in den Daten wie eine Stufe im Meeresboden aus. Der östliche Teil der Struktur ähnelt einer Abbruchkante, wie sie durch Hangrutschungen erzeugt wird (Screenshot 3). Interessanterweise ist die Lokation der Struktur allerdings recht ungewöhnlich. Sie liegt mitten auf dem Schelf und ist somit relativ weit von der Shelfkante entfernt.
Um die Struktur als Ganzes zu erfassen, sind wir eine sogenannte „Matratze“ gefahren. Da sich die Kartierung über die Nacht fortsetzt, sind die wachhabenden Studenten dafür verantwortlich, den Kurs des Schiffs festzusetzen.
In den Parasound Daten entdeckten wir eine weitere interessante Struktur, direkt neben der kanalartigen Depression, bei der es sich um eine Sandbank zu handeln scheint (Screenshot 4).
Da sich so viele Fragen zu den entdeckten Strukturen ergeben, werden wir diese Region noch bis morgen kartieren. Hoffentlich werden wir anschließend noch Zeit haben den „Fußabdruck“ zu untersuchen.
Am Nachmittag konnten wir an einer Maschinenraumführung teilnehmen. Am faszinierendsten war für uns die Tatsache, dass es tatsächlich möglich ist, das Schiff aus dem Maschinenraum zu steuern. Außerdem haben wir gelernt, dass das Schiff zwei getrennte Maschinen hat, die bei einem Ausfall getrennt voneinander genutzt werden können.
Der Tag wurde durch ein Grillfest abgerundet.
Grüße von der Grillparty
Justine und Daniela
Screenshot 1 : Screenshot von dem SLF (secondary low frequency) Parasound Fenster während der Überquerung der Depression.
Screenshot 2 : Screenshot von dem Multibeam EM1002 nach einigen Querungen der beobachteten Struktur. Die blau gefärbten Bereiche kennzeichnen die Depression.
Screenshot 3 : Screenshot von dem Multibeam EM1002 von der östlichen Begrenzung der Depression.
Screenshoot 4 : Screenshot von dem SLF Parasound Fenster zeigt neben der Depression einen sandbank-artigen Körper.
Donnerstag, 12 Januar 2012
Glückliches OSB Team nach der Bergung des letzten Seismographen.
Neben der OBS Crew konnte auch die Floating University diesen Tag feiern, da sie nun endlich die Kontrolle über die wissenschaftliche Forschung an Bord übernommen hat. Die hydroakustischen Systeme (Parasound, Echolot) können von nun an ununterbrochen bis zum Einlaufen in den Hafen von Walvis Bay genutzt werden. In dem heutigen Blog soll das Atlas Parasound P70 System beschrieben werden, um sowohl die Großeltern der Studenten, als auch die Kinder von Paul mit wissenschaftlichen Informationen zu versorgen!
Messungen mit dem Parasound Sedimentecholot stützen sich auf den parametrischen Effekt, der darauf zurück geht, dass aus zwei primär hochfrequenten 18 kHz und 22 kHz Signalen (PHF) ein sekundäres niedrigfrequentes 4 kHz Signal resultiert. Die grundlegenden Vorteile dieser Methode bestehen in der hohen Auflösung und der relativ großen Eindringungstiefe in den Meeresboden. Ein anschauliches Beispiel wird in der nebenstehenden Abbildung dargestellt.
In dem Ausschnitt eines Profiles, das am 10. Januar 2012 entlang der südöstlichen Flanke des Walvis Rücken aufgezeichnet wurde, sind über eine Tiefe von 100 m sehr deutlich wellige Sedimentstrukturen zu erkennen, die in einer Wassertiefe von 1450 Metern entstanden sind. Diese auffälligen Sedimenteigenschaften geben wichtige Hinweise auf Paleozeanographische Variationen in diesem Gebiet, wie z.B. Unterschiede in der Strömungsrichtung.
Viele Grüße vom Sonnendeck
Irena und Andre
Sedimentwellen am südlichen Rand des Walvis Rücken (Atlas Parasound).
Mittwoch, 11. Januar 2012
Der Tag begann im gleichen Arbeitsrhythmus wie jeder andere mit unserem Schichtsystem (Gruppe 1: 0-4 Uhr/12-16 Uhr; Gruppe 2: 4-8 Uhr/16-20 Uhr und Gruppe 3: 8-12 Uhr/20-24 Uhr). Heute wurden insgesamt über den Tag verteilt drei OBSs zurück an Deck geholt. Die erste Station war gegen 2:29 Uhr (UTC). Mit dieser ersten Station kam zu unserer Überraschung ein kleiner Besucher (Foto oben rechts) aus den Tiefen des Meeres (Tiefe ca. 2400 Meter) mit an die Oberfläche.
In den letzten Tagen wurden viele unterschiedliche Kurse im Bereich Daten Processing durchgeführt (z. B. Einführung in Linux, arbeiten mit Schallgeschwindigkeitsprofilen oder Replay von Parasounddaten mit der Software ATLAS Parastore). Heute lagen die Schwerpunkte in zwei unterschiedlichen Bereichen. Zum einen lag ein Fokus auf dem Arbeiten mit der Linux basierten Software GMT (Geological Mapping Tool) und zum anderen haben wir uns mit der Interpretation von Schallgeschwindigkeitsprofilen auseinandergesetzt.
Studenten der ‘Floating University’, die zusammen im Daten Processing Raum arbeiten.
(Foto: Gesa Barkawitz)
Die Schallgeschwindigkeitsprofile können auf zwei unterschiedliche Arten verwendet werden. Am besten bereits während der Datenaufzeichnung, indem sie in die MBES Akquisitionssoftware SIS eingeladen werden, zum anderen können sie während der Nachbearbeitung, zur Korrektur der Daten, verwendet werden.
Die Abbildung rechts zeigt zwei SVP-Beispiele von dieser Ausfahrt. Das Profil 1 wurde vor Kapstadt/Südafrika (17.4309/-32.6684) und das Profil 3 wurde vor Namibia (10.7780/-19.8904) aufgezeichnet. Es ist offensichtlich festzustellen, dass sich die meisten Veränderungen in den ersten 200 Metern der Wassersäule abspielen. Dies ist in erster Linie auf Temperaturveränderungen zurückzuführen. Die gestrichelten Linien (Profil 2/4) zeigen Auszüge aus der LEVITUS Datenbasis. Diese Profile liegen nahezu an den gleichen Koordinaten wie die Profile 1/3. Obwohl Unterschiede sichtbar sind, ist trotzdem ein gleicher Trend im Vergleich zu den während dieser Fahrt aufgezeichneten SVPs abzulesen.
Da falsche Geschwindigkeitsprofile dazu führen, dass die Daten, wie unten gezeigt, als kanalartige Strukturen auf dem Meeresboden erscheinen, ist es sehr wichtig, eigene Geschwindigkeitsprofile zu messen. In der Abbildung unten sieht man deutlich den Unterschied zwischen einem, mit dem falschen Geschwindigkeitsprofil prozessierten Multibeam Datensatz (links) und den gleichen Daten, mit dem selbst gemessenen Geschwindigkeitsprofil prozessiert (rechts).
Sonnige Grüße vom Walfischrücken senden euch Monika und Gesa
Besucher aus den Tiefen des Ozeans (leider befindet sich zur Identifizierung kein Biologe an Bord).
(Foto: André Vollmert)
Vergleich der gemessenen Wasserschallgeschwindigkeitsprofile mit Profilen aus der LEVITUS Datenbank.
Vergleich eines Datensatzes prozessiert mit (links) altem Geschwindigkeitsprofile und (rechts) gemessenem Geschwindigkeitsprofil.
Dienstag, 10. Januar 2012
Des Weiteren wurde das vierte Geschwindigkeits- und Temperaturprofil durch eine Wasserschallsonde (SVP-Sonde) aufgenommenen und in einem Diagramm mit den übrigen Messungen dargestellt. Dabei zeigte sich, dass das vor Südafrika im Flachwasserbereich (bis 230 Meter) aufgenommene erste Profil sowohl bei den Wasserschallgeschwindigkeiten, als auch bei der Temperatur stark von denen vor Namibia im tiefen Wasser aufgenommenen Profilen (1000-1800 Meter) abweicht.
Das Prozessieren der Bathymetrie-Daten wurde fortgesetzt, so dass am Abend mit der Wasserschallgeschwindigkeitskorrektur begonnen werden konnte. So wurden schließlich erste Bilder des Meeresbodens aus den prozessierten Daten erstellt.
Außerdem hatten wir die Möglichkeit uns kreativ zu betätigen. Jede Wachgruppe reichte einen Vorschlag für das offizielle Logo der Fahrt ein. Hier sind das Gewinnerlogo und die beiden anderen Vorschläge zu sehen:
Das OBS "FC St. Pauli" ist zurück an Deck.
(Foto: D. Wolf)
Vorschläge für Expeditionslogos; das Gewinnerlogo (links) ist das offizielle Logo der Ausfahrt geworden.
Beste Grüße von der südlichen Hemisphäre,
Janina und Sofia
Montag, 9. Januar 2012
Das Ozeanboden Seismometer (OBS) wird geborgen
Beste Grüße vom Walfischrücken,
Johanna und Timo
Das Ozeanboden Seismometer (OBS) schwimmt an der Wasseroberfläche.
Freitag, 6. Januar, bis Sonntag, 8. Januar 2012
Das Hauptziel der MSM20-1 ist die Bergung von 12 Breitband Ozeanboden Seismometern, die während MSM17-2 im Januar 2011 in der Region ausgesetzt wurden, wo der Walvis Rücken den Kontinentalrand kreuzt. Dieses Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des SAMPLE Prioritätsprogramms finanziert. Detaillierte Informationen hierzu (Link zum Fahrtenheft, Leitstelle). Zudem wird diese Ausfahrt dazu genutzt 12 Studenten aus Deutschland und Namibia in hydroakustischen Techniken im Rahmen einer sogenannten „Floating University“ auszubilden, die von der Universität Bremen/MARUM und GEOMAR (Kiel) durchgeführt wird.
Dank einer Messerlaubnis der zuständigen südafrikanischen Behörde konnte der Unterricht gleich nach Verlassen des Hafens mit der Akquise von Multibeam- und Sedimentecholotdaten begonnen werden. Neben der Einführung in die hydroakustischen Systeme wurden die ersten Tage dazu genutzt sich an das Leben an Bord, die Wachschichten, sowie das Arbeiten auf einer sich bewegenden Plattform zu gewöhnen. Teil dieser Eingewöhnung war ein Sicherheitstraining (siehe Abbildung).
Sicherheitstraining an Bord des Forschungsschiffes MARIA S MERIAN
(Foto: P. Wintersteller)
In den nächsten Tagen werden die Studenten diesen Blog fortsetzten.
Mit freundlichen Grüßen aus dem Südatlantik,
Paul, Tilmann und Willi
Das Forschungsschiff MARIA S MERIAN verlässt Cape Town an einem sonnigen aber windigen Morgen.
(Foto: P. Wintersteller)