MeBo-Bohrlochobservatorium

Das MeBo-Bohrlochobservatorium (Typ PTTi) besteht aus einem zyllindrischen Druckgehäuse aus Edelstahl (800 mm Länge, 76 mm Durchmesser), einem Datenlogger, einer Stromversorgung und den installierten Sensoren. Das System ist für eine Betriebsdauer von mehreren Jahren ausgelegt, je nach Häufigkeit der Aufzeichnungen und zusätzlicher Sensorlast, unter einem maximalen Druck, der einer Wassertiefe von 2000 m entspricht. Das Gerät ist an einem Bohrstrang befestigt, um ungestörte Messungen zu gewährleisten und gleichzeitig von ROVs fast jeder Größe abrufbar zu sein.

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Cork Real

Fluidbeprobung

Um eine geochemische Zeitreihe erfassen zu können, wurden in der Vergangenheit Osmo-Sampler entwickelt und erfolgreich eingesetzt (Jannasch et al., 2003). Sie dienen dazu, eventuelle Fluidströme oder geochemische Transienten zu erfassen (z.B. Solomon et al., 2010). Die Osmo-Sampler haben zwei 2ML1 ALZET®-Membranen, die mit Zweikomponenten-Epoxid (Hysol ES1902) am Gehäuse befestigt sind. Die Enden der Behälter für destilliertes Wasser und gesättigtes Salz (nicht-jodiertes Kochsalz, NaCl) sind mit einem einzigen O-Ring abgedichtet und werden mit einem Gewindestift fixiert. Mit dieser Konfiguration können 73 ml/Jahr bei 20°C gepumpt werden. Die Pumpe ist an 300 m Teflonschläuchen mit kleinem Durchmesser angeschlossen, die 170 ml fassen (1,19 mm Innendurchmesser und 2,0 mm Außendurchmesser). Die Schläuche wurden 5 Tage lang mit 10 %iger HCl gefüllt, bevor sie mit 18,2 M Ohm Wasser gespült wurden. So kann dieser Probenehmer zwei Jahre lang bei 20 °C eingesetzt werden und noch länger eine kontinuierliche Aufzeichnung führen, wenn die Temperatur im Bohrloch kühler als 20 °C ist.

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Links: Untere Einheit mit Schrittmotor, Zeitschaltuhr und 40 m Spiralschlauch hinter dem Fallgewicht; rechts: Salzreservoir mit halbdurchlässigen Membran-"Fingern", die die osmotische Pumpe darstellen.

Am vorderen Ende des Osmo-Samplers ist eine Einheit montiert, die es dem "unteren Ende" des Schlauchstrangs ermöglicht, mit Hilfe eines kugelförmigen Fallgewichts in das offene Bohrloch abzusinken. Die Kugel wird zunächst auf eine Gewindestange mit einem Durchmesser von 5 mm geschraubt, wenn das MeBo an Deck ist oder eingesetzt wird. Nach einer vorprogrammierten Zeitspanne von 5 Tagen löst ein Timer einen Motor aus, der das Fallgewicht abschraubt, das dann die untere Rohrleitung (in unserem Fall auf 40-50 m Länge eingestellt) in den basaltischen Aquifer an den Flanken des Bergrückens befördert.

Die gesamte Einheit ist so konzipiert, dass sie in ein speziell angefertigtes MeBo-Bohrgestänge eingeschraubt werden kann, wo sie mit einem konischen POM-Gewinde, das durch einen O-Ring abgedichtet wird, befestigt wird.

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Links: Die Osmo-Sampler-Einheit ist vollständig montiert und wird in die maßgeschneiderte MeBo-Stange eingesetzt. Rechts: Das komplette Osmo-Sampler-Observatorium ist im MeBo-Magazin montiert und bereit für den Einsatz am Meeresboden.

Fluidinjektion

Die MeBo Tracer-T-Sonde wurde in der Arbeitsgruppe Marine Geotechnik entwickelt und besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptteilen. Unterhalb des Griffs für das ROV, mit dem das Instrument später (d.h. nach dem Ausbringen) manipuliert werden kann, befindet sich eine Einheit mit Zeitschaltuhr und Motor, die den unteren Stopfen des zweiten, unteren Teils des Instruments abschraubt.

Für ein Strömungsexperiment kann das Reservoir mit Lösungen konservativer Tracer (Schwefelhexafluorid, Xe, Kr, Ne, Ar, He oder Fluoreszenzfarbstoffe) oder reaktiver Tracer wie Cäsiumchlorid, isotopisch markiertes C, Ester, um nur einige zu nennen, ausgestattet werden. Das Reservoir enthält auch einen MTL-Logger, so dass die Temperatur durchgehend aufgezeichnet werden kann.

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MeBo Tracer-T Gerät vor dem Laden in ein speziell präpariertes MeBo-Bohrgestänge.

Temperaturgradienten und Porendruck Messlanze

Es handelt sich um ein Langzeit-Datenerfassungssystem, das unter anderem den In-situ-Porendruck und den Temperaturgradienten aufzeichnet. Es wurde am MARUM für den Einsatz in Tiefen von bis zu 4 und 6 km entwickelt. Das Stahlträgersystem besteht aus einer 5,5 Meter langen Lanze, einer Grundplatte und einem Turm, der als Gehäuse für die Datenerfassungselektronik dient. An der Lanzenspitze befindet sich der Zugang für das Porenwasser, das über ein dünnes Druckrohr zum Drucksensor geleitet wird. Der Temperaturgradient wird über eine 6 Meter lange Thermistorschnur aufgezeichnet, die an der Außenseite der Lanze angebracht ist. Zusätzlich werden der absolute Wasserdruck und die Temperatur des Bodenwassers gemessen.

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Diagram des Komplettsystems mit Sensorien und Auftriebskörpern

FINO-Porendrucksystem

An die Unterwasser-Docking station, die an einem Stahlträger der FINO1-Plattform ozeanbodennah angebracht ist, wurde im September 2006 eine Porendrucklanze angeschlossen, die in den oberen 2 Metern unter Meeresboden Porendruck und Temperatur misst. Das System dient dem Test, inwieweit Bewegungen der Plattform bei Stürmen im Untergrund messbar sind und gegebenenfalls zur Schwächung (Liquifizierung) der Sedimente um die Gründungsstruktur führen.

Rundumsicht-Sonarturm

Im Jahr 2007 wurde ein Rundumsicht-Sonarturm enwtickelt, der mit einem Imagenex 881L Sonarsystem ausgestattet ist. Mit einer Reichweite von bis zu 200 m Radius kann in vorprogrammierten Intervallen der Meeresboden hinsichtlich seiner Sedimentationsdynamik und Mobilität langzeitlich beobachtet werden. Das modulare Dreibein, auf dem das Sonar montiert ist, sitzt 3 m bzw. 5.5 m über Meeresboden und erfasst Zeitserien zu Rippel- oder Dünenbildung über Tidenzyklen oder auch mehrere Monate. Einsatzgebiete bisher waren Binnengewässer Norddeutschlands sowie Nord- und Ostsee (z.Bsp. im Projekt SD2 in der dänischen Nordsee nahe Esbjerg).

Monitoring von Schlammvulkanaktivität

Zwei Messgeräte zur Erfassung der Aktivität eines Schlammvulkans wurden im Juli 2007 im Kratersee des Dashgil Schlammvulkans, Aserbaidschan installiert:
  • Langzeitlanze zur Messung von Porendruck und Temperatur
  • Gasausstrom-Messgeräte

IODP-Bohrloch Langzeit-Porendruckmessung

Bohrloch-Monitoring mit sog. CORK-Systemen (Circulation Obviation Retrofit Kits) wird seit fast zwei Dekaden erfolgreich in wiss. Tiefbohrungen des ODP und IODP eingesetzt. Als Vorstufe der Bohrlochsensorik, die über Jahre in den CORKs verbleibt, wurden 2009 zusammen mit Kollegen am Pacific Geoscience Centre, Canada (Earl Davis, Bob Macdonald, Alison Labonte, Bob Meldrum) und der Pennsylvania State University, USA (Demian Saffer) Geräte entwickelt, die Porendruck- und Temperaturvariation im verrohrten, aber perforierten Bohrloch aufzeichnen, ehe die CORK-Observatorien installiert werden.

Die sog. "smart plugs" sind Teil einer mechanischen Sperre in der Verrohrung, die das Bohrloch vom darüberliegenden Ozean hydraulisch entkoppeln. So kann die Porendruckvariation in Störungen, etc. langzeitlich aufgezeichnet werden. Der "smart plug" beherbergt 2 Paroscientific Absolutdrucksensoren mit Frequenzzählern sowie 4 Temperatursensoren. Der erste Einsatz findet auf IODP Expedition 319 im Projekt NanTroSEIZE (Nankai Trough Seismogenic Zone Experiment) statt, das als Hauptziel Erdbebenentstehung in der Subduktionszone vor Japan hat.

Siehe auch Rubrik in Projekte und Arbeitsgebiete.

Unterwasser-docking station

An der FINO1-Forschungsplattform betreibt das MARUM Bremen eine Unterwasserstation, die bis zu 10 Messgeräte mit Strom- und Datenübertragungsleitungen versorgen kann. Sie stellt ein Meeresboden-Observatorium im Flachwasser dar, wo Geräte und Sensoren langfristig getestet werden können. Die Station wurde im Juli 2009 für Wartungsarbeiten geborgen, soll dann jedoch wieder in der Nordsee eingesetzt werden.